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Herwig Blankertz wurde 1927 geboren. Er wuchs auf im Nationalsozialismus. Mit 16 Jahren, 1943, wurde er Flakhelfer; mit 17 Jahren Soldat; wenige Monate später - kurz vor Kriegsende - wurde er schwer verwundet und verschüttet. Er blieb eher durch Zufall am Leben. Die Erfahrung des Krieges hat ihn entscheidend geprägt; gerade weil er als Jugendlicher Versprechungen und Verführungen eines diktatorischen Systems erlegen war, unterstützte er die demokratischen Institutionen der Bundesrepublik durch sein moralisches, pädagogisches und demokratisches Engagement.

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Wie viele seiner Generation durchlief Blankertz den steinigen Pfad des zweiten Bildungsweges. Nach der Entlassung aus der Gefangenschaft folgte Berufstätigkeit als Bauhilfsarbeiter und in der Textilindustrie, zunächst zwei Jahre als Arbeiter, später, nach Abschluss der Textilingenieurschule (1948/49), als Ingenieur. Von 1952 bis 1955 studierte er an der Pädagogischen Hochschule für Gewerbelehrer in Wilhelmshaven und legte dort die Staatsprüfung für das Gewerbelehramt in der Fachrichtung Textil und Leder ab. Mit der Begabtenprüfung erwarb er die Allgemeine Hochschulreife und setzte sein Studium an der Universität Göttingen fort, wo er 1958 zum Dr. phil. promovierte. Er wurde Dozent für Berufspädagogik am Pädagogischen Institut der Universität Hamburg(1959-1963), habilitierte sich für Allgemeine Pädagogik an der Wirtschaftshochschule Mannheim, bekam eine Professur für Philosophie an der Pädagogischen Hochschule in Oldenburg 1963-1964), wurde "Ordentlicher Professor" für Wirtschaftspädagogik an der Freien Universität Berlin (1964-1969) und war seit 1969 Professor für Pädagogik und Philosophie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.

Herwig Blankertz' Schriftenverzeichnis ist lang; er schrieb 277 Bücher, Aufsätze, Lexikonartikel und Vorträge. Sein Buch "Theorien und Modelle der Didaktik" wurde zum Bestseller. Er schrieb gern, aber wichtiger war ihm die Lehre, seine Vorlesungen und Seminare, das Gespräch mit seinen Schülern und Mitarbeitern, denn er war mit Leib und Seele Lehrer (H.M., S. 22). In seiner Arbeit in verschiedenen Gremien zur Reform des Bildungswesens hat er versucht, Theorie und Praxis, die systematische Aufarbeitung pädagogischer Fragen und deren bildungspolitische Umsetzung miteinander zu verknüpfen. Blankertz war Mitherausgeber der "Zeitschrift für Pädagogik" und von 1974 bis 1978 Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft. Hervorzuheben sind seine Mitarbeit in verschiedenen Gremien an der Entwicklung von Konzepten für die Reform des Bildungswesens durch den Deutschen Ausschluss für das Erziehungs- und Bildungswesen und den Deutschen Bildungsrat sowie für die Einrichtung des Bundesinstituts für Berufsbildung(-forschung), seine Tätigkeit im Wissenschaftlichen Beirat des Instituts für Bildungsforschung in der Max-Planck-Gesellschaft.

Herwig-Blankertz starb durch einen Autounfall am 26.08.1983. Geblieben sind seine pädagogischen Grundideen als Arbeitsauftrag:

"Die Wahrheit der allgemeinen Bildung ist die berufliche" (Blankertz' Beitrag zur Theorie der Bildung durch den Beruf). Allgemeinbildung kann nur im Medium des Berufs zum Abschluss gebracht werden. Herwig Blankertz wusste wovon er sprach, wenn er sich für die Integration von beruflicher und allgemeiner Bildung einsetzte; denn er hatte die Arbeitswelt "von unten" kennengelernt.

Das Duale System der Berufsausbildung muss gestärkt werden, damit es seine Aufgaben in einer pädagogisch verantwortbaren Form erfüllen kann: "Um die Gewährleistung der Personbildung im Jugendalter ging es dem Pädagogen Herwig Blankertz. Dafür stand er forschend, lehrend und das Risiko des konkreten Versuchs nicht scheuend in seinem Amte".) "Wie die kommende Generation ihren Auftrag erfüllen und bewähren wird, kann inhaltlich von den Erziehern nicht vorweggenommen werden. Wer pädagogische Verantwortung übernimmt, steht im Kontext der jeweils gegebenen historischen Bedingungen unter dem Anspruch des unbedingten Zweckes menschlicher Mündigkeit - ob er das will, weiß, glaubt oder nicht, ist sekundär. Die Erziehungswissenschaft aber arbeitet eben dies als das Primäre heraus: Sie rekonstruiert die Erziehung als Prozess der Emanzipation, d.h. der Befreiung des Menschen zu sich selbst."